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Geistergerätschaften

Von Christopher Ecker.

Ohne hier groß angeben zu wollen: Ich weiß genau, was Ihr lesen wollt. Aber nun geht’s leider nicht weiter. Rhetorische Frage: Hat das was zu bedeuten? Nicht minder rhetorische Antwort: Nö. – Na ja, „nö“ trifft‘s nicht ganz. Wörter sind wie Klingen oder ungesicherte, auf dem Küchentisch liegende Schusswaffen, ich muss aufpassen, höllisch aufpassen. Nehmt es entweder hin oder Ihr – ich will nicht unhöflich sein, doch Ihr seid der Feind. Der einzige, den es gibt. Durchatmen und nicht daran denken, wie sehr ich Euch hasse. Oder daran denken, was Ihr zu denken in der Lage seid, wenn Ihr nicht versteht, was ich Euch hier denken lassen will. Und dennoch … es ist absurd … nach diesem Ausbruch ist es ohnehin … wie weitermachen, wenn der Anfang vergeigt ist? Schaut her! Das steht in meinem Notizbuch: Geistergerätschaften. Eine extrem langweilige Geschichte über einen Spatenspuk in einem Garten. Beuge ich mich dieser Forderung? Ja. Und warum tue ich das? Weil ich muss. Leider kann die Geschichte nur so erzählt werden: Wir solen aufschreipen hapen sie Gestern abend nach dem abendesen gesagt was so ales pasiert bei der Arpeit vor alem die sachen die UNGEWÖNLICH sint solen wir aufschreipen. warum hat mein Pruder gefragt, Damit man uns immer die besten Mediakamente gepen kann also ales was in den gerten bei der Arpeit pasiert solen wir aufschreipen hier Hapt ihr papir und stiftens befelen sie uns, was wir machen solen ist erlich aufschreipen ab jedzt von morgens um acht bis abends die ganze Arpeit lang das UNGEWÖNLICHE im ketechtnitz feste merken, bis man uns apholt und zurük ins wonheim Brinkt wo wirs dan aufschreipen solen in die blöcker. und das mach ich jetzt heute apend das ales aufschreipen was bei der Arpeit UNGEWÖNLICH ist und ich mier kemerkt hab. Ich heiße Kristian. Ich bin ein wegläufer. Seit schon so viehlen Wochen arpeite ich alein in einem garten von einem herrn dokter der krank ist und immer im Bett liegt und nie aufsteht und nie rauskommt. so biter krank ist der herr dokter und ich arpeite alleine in dem garten von dem herrn dokter mit einer elegdronische fessel damit ich nicht nochmal werläufern tu. Um acht brinkt man mich mit dem Elkawe hin und ich steige von der britsche und geh schnurstraks hinters haus von dem hern dokter und neme die kanzen wärkzeuke aus seinem schupen schaufel, spaten, rächen, eimer, schuppkarre und anderes wärkzeuk Ich krabe eines tages so vor mich hin mit der schaufel dann sehe ich einen spaten im kartoffelbeht stecken. Nanu so denke ich und geh hin und seh dass mein Spaten also mein eikener spaten am schupen lehnt und ich halte im beht einen zweiten spaten in der hant und es sind zwei spaten im garten. Nanu denke ich wieder, ich bring ihn also in den schupen und krabe weiter. Erzt mit der schaufel dann weil die Erte hart is mit der spidzdhakke und meinem eikenen spaten. Speter stell ich meinen zu dem anderen. o we am nächsten Tag ist nur meiner noch da. Der andere spaten tut felen. ist der herr dokter aufgestanden frage ich mich. und hat gekrapen? aber wo hat er den seinen Spaten hingelekt frage ich mich, doch da ist der Spaten wieder am nächsten Tag da und lehnt ganz unschultig am Zaun zum nachbars Garten. Ich stelle ihn neben den anderen also meinen eikenen Spaten an den schupen und schaue immer mal wieder beim rächen hin, es sind immer zwei spaten an der want den kanzen taglang und als ich es mal lange vergesse hinzuschaun und wieder hinschaun tu steht nur noch mein eikener spaten an dem schupen. Nanu es war doch kainer da denk ich bei mier. Aber seitdem ist der andere spaten nicht mehr da gewesen. Ja genau so wars und nichs anderes als das war das UNGEWÖNLICHE was ich mier feste kemerkt hab. Das ist also erlich und wahrheitsgeträulich das was pasiert ist bei der arpeit was gans anders ist als Kraben und Hekenschneiten und was ich deshalp hier erlich für die scheffs aufschgeschreipt hab. Ein mutiger Autor hätte diesen Text ohne Vor- und Nachbemerkung veröffentlicht. Ein böhser audor tut dies nichst. Er hat nemlich den spaten verstegd.

Bildquelle: (c) DA
Textquelle: Christopher Ecker: Andere Häfen (Mitteldeutscher Verlag, 2017)

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