Novelle

Headquarters for Experimentalism

Hexen leiden

Von Daniela Kirschner.

Unsere Geschichte.

Unsere Vergangenheit.

Sie Liebten uns. Sie verehrten uns. Sie fürchteten uns.

Aber sie haben uns immer gebraucht, sie brauchen uns noch heute Iris. Heute mehr denn je.

Heute nennt man Menschen wie uns Superhelden, damals Hexen.

Menschen mit scheinbar außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Doch was ist außergewöhnlich?

Dass du von Menschen träumst, von ihren Gedanken?

Dass ich Gefühle sehen kann?

Dass Tante Martha mit den Toten spricht?

Oder Onkel Hugo, der die Sprache des Windes deutet?

Wir sind Hexen, Iris, und werden es immer sein. Eines musst du dir vor Augen halten:

du kannst hassen, was du bist, du kannst es leugnen, aber du wirst es weitergeben, an die nächste Generation.

Lauf fort, wenn du glaubst, du musst es tun, aber ich weiß, dass sie dich einholt deine Superkraft, und du wirst sie niemals loswerden! Niemals, hörst du! Du kannst laufen, aber besser wäre es zu bleiben und zu lernen, lerne deine Superkraft zu beherrschen.

Das schuldest du nicht mir, oder dir, du schuldest es den Menschen, die dich brauchen. Einem jeden Dorf seine Hexe!

Das ist unsere Bestimmung.

Und ja, sie werden dich lieben, dich hassen, dich fürchten und dich jagen.

Das ist es eben, das Hexenleiden.

Aber schau dir diese Welt an, ist sie es nicht wert, gerettet zu werden, eine Hand voll Menschen wenigstens.

Wir Hexen sind die Einzigen, die das tun können, keine Pharmakonzerne, keine Psychologen oder Ärzte. Wir Iris, nur wir können es tun.

Ich weiß, das ist eine Schwere Verantwortung, und niemand hat dich gefragt, ob du das willst, du bist einfach so geboren worden. Aber versteh doch, Eine Hexe ist nichts Böses sie ist eine Superheldin, ihre Aufgabe ist klar, geh und hilf denen, die dich brauchen. Wenn du das nicht tust, wirst du niemals mit dir im reinen sein.

Und jetzt umarme ich dich ein letztes Mal, Iris, und dann lasse ich dich gehen, ich wünsche dir nur Gutes und das du findest was du zu suchen scheinst.

Ich liebe dich, mein Herz, mein Blut, mein Kind! Möge Gott dir beistehen!

Fünf Jahre später in Salzburg…

„Jetzt nehme ich schon das zwei Wochen diese Medikamente und trotzdem habe ich immer noch Schmerzen in den Beinen, was kann das nur sein?“

„Wieso fragst du immer mich, Berni?“

„Weil du immer Rat weißt, Iris.“

„Heißes und kaltes Wasser hast du schon versucht oder?“

„Ja, Iris, habe ich.“

„Die gute alte Rosssalbe hat auch nicht geholfen, Beinwell haben wir probiert, mit Arnika muss man sparsam umgehen, wegen der Gelenke deshalb davon nichts mehr.

Wir haben alles durch, Berni, aber ich könnte Mama noch Fragen, wenn du willst?“

„Nein Passt schon, ich glaube ich werde mich auspendeln lassen.“

„Gute Idee, Berni, mach das!“

„Was? Kein so ein Hokuspokus! Oder Geldverschwendung!“

„Wieso, Berni? Das Pendeln ist doch schon sehr etabliert, und wenn kein Röntgen und kein Bluttest dein Problem zu Tage fördern, ist das doch eine gute Lösung.“

„Okay, das hätte ich jetzt nicht gedacht, du bist sonst mit Esoterischen Sachen eher skeptisch.“

„Jaja Schon, aber deine Schmerzen werden immer schlimmer, schön langsam muss eine Lösung her.“

„Was du nicht sagst, Iris.“

„Berni, Berni, Berni! Verdammt wach auf, wach auf!“

„Was ist los? Iris was machst du in meinem Zimmer? Wieso weckst du mich? Bist du irre?“

„Berni, du musst sofort ins Krankenhaus oder du wirst sterben!“

„Iris, spinnst du?“

„Ich habe mir so schreckliche Sorgen um dich gemacht, deshalb habe ich meine Mama um Rat gefragt im Traum, Mama sagt deine Bein Probleme sind eine sehr schlechtes Zeichen, du musst ins Krankenhaus, jetzt gleich!

„Iris, Iris, bitte beruhige dich du hast geträumt.“

„Berni, wir müssen gehen! Jetzt!“

„Warte, ich will zurück ins Bett, mir ist schlecht, ich fühle mich so komisch, meine Beine sind taub, ich fühle mich so, so…

„Iris, was, was ist passiert, wo bin ich?“

„Warte, ich drücke nur schnell den Knopf für die Schwester. So, du bist im Krankenhaus. Weil der Arzt zu dem du gehst den schleichenden Herzinfarkt nicht bemerkt hat, bist du gestern in der Nacht zusammengeklappt.

Die Ärzte hier machen ihm keinen Vorwurf du bist erst Mitte dreißig, sportlich und das die Beine schmerzen bei einem bevorstehenden Herzinfarkt ist eher selten.

„Was? Wie? Wo? Herzinfarkt? Mir ist schlecht!“

„Du bist über dem Berg, alles gut. Ruhe dich jetzt bitte aus, wir können dann ja reden, die Schwester kommt eh schon.“

„Da haben sie ja noch einmal Glück gehabt, Frau Kostner, gut dass ihre Freundin nach ihnen geschaut hat. So alles in Ordnung bei ihnen, den Tropf nehme ich ihnen noch schnell ab, der Zugang bleibt drin, den werden sie noch brauchen. Schlafen sie, wenn sie können, die Visite kommt gleich, die wird ihnen alles genauer erklären.“

„Wie Iris, wie konntest du das wissen?“

„Was wissen?“

Ich erinnere mich Iris, du hast mich geweckt, du wolltest mich unbedingt ins Krankenhaus bringen, du hast gesagt deine Mutter hat im Traum zu dir gesprochen. Ist das wahr?“

„Ich werde dir jetzt etwas erzählen, Berni, das solltest du für dich behalten, weil dir ohnehin keiner glauben wird.“

„Okay?“

„ Mutter weiß viel mehr über den menschlichen Körper als die meisten Ärzte, sie wusste sofort was los war, und dein Arzt? Pah…

„Du weichst mir aus, du hast gesagt du hast im Traum mit ihr kommuniziert, ich bin nicht irre, ich weiß was du gesagt hast!“

„Dir ging es schlecht! Gar nichts weißt du!“

„Jetzt sei nicht beleidigt, Berni, okay wie du willst!

Mich besuchen Menschen in ihren Träumen, ich sehe sie, fühle ihre Ängste und ihre Sorgen.“

„Ich wusste immer, du bist eine Hexe!“

„Echt jetzt?“

„Ja, du weißt immer alles, oft schon bevor es in den Nachrichten kommt. Irre!“

„Nein, Berni ganz normal!“

„Mama sagt: wir sind Superhelden und für Superhelden ist es normal, in Träumen zu wandern, mit Geistern zu reden, den Wind zu verstehen…

Was soll daran auch so außergewöhnlich sein?“

„Warte Iris ich brauche eine Pause…

15 min Später…

„Echt jetzt? Das ist gar kein Traum, das hier passiert wirklich, du versuchst, mir weiß zu machen das Traumwandeln, Geisterbeschwörung und solches Zeug normal ist?“

„Ja wieso sollte Solches Zeug, wie du es nennst, auch nicht normal sein? In allen von uns steckt doch ein Geist, und wenn der Körper stirbt, ist der Geist trotzdem noch da, er muss irgendwann aber in die andere Welt, das dauert manchmal ein bisschen.

Dafür ist Oma da, um den Geister zu helfen, ist doch ganz normal, Berni.“

„Jetzt hör schon auf mich so anzusehen, Berni. Siehst du deshalb habe ich immer so getan als würde mich Esoterisches wie die Leute das heute Bezeichnen nicht interessieren.

Deshalb bin ich von zu Hause weggelaufen, vor meiner Pflicht weggelaufen.

Weil ich Angst hatte, mein Leben lang vor genau diesem, deinem Blick.

Aber ich hätte dich fast verloren Berni, nur weil ich egoistisch war und nicht wahrhaben wollte, dass ich in diese Welt gehöre, und zwar genau so wie ich bin, nein weil ich so bin.

Hexen sind normale Menschen und was sie tun ist gut für die Gemeinschaft, und das ist ganz normal!

So und jetzt haben wir viel aufzuholen!“

„Wie war das Iris? Wir?“

„Ganz genau, Berni, denn meine Auflage ist eine große, so viele Menschen schreien nach Hilfe, wenn sie träumen, ich höre sie jede Nacht, ich habe auch dich gehört. Und von heute an werde ich wieder genauer hinhören und helfen, wo ich kann, bist du dabei?“

Bildquelle: (c) DA

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