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Memory – das Zwinterview

Was hat man sich unter “Memory aufbacken” vorzustellen?

Kai Weber: Das ist, wenn man sich die Kärtchen aus dem Memory-Spiel auf die Backen klebt.

Philipp Schulte: Das ist eine leider selten gewordene Redewendung, die man dann anbringen kann, wenn aus den Achtzigern oder sogar noch einem früheren Jahrzehnt stammende Gesellschaftsspiele mit spürbar überholten Spielkonzepten im 21. Jahrhundert re-enacted werden. Beispiel: Karin, Claus, Annegret und Lisbert haben Lust auf einen Spieleabend. Im Spieleschrank auf dem Dachboden finden sie aber nur verstaubte Ausgaben von “Risiko” und “Monopoly”, beides bekanntermaßen konzeptionell veraltete Spiele, denen es daran mangelt, ein klar definiertes, nach wenigen Stunden erreichbares Spielende zu ermöglichen. Karin, Claus und Annegret entscheiden sich für Risiko und bauen schon einmal das Spielfeld auf. Als Lisbert, der*die etwas später kommt und sich etwas mit den zeitgenössischen Entwicklungen der Spieleindustrie und bestens mit aus der Mode gekommenen Redewendungen auskennt, feststellt, was Sache ist, ruft sie*er enttäuscht aus: “Da hättet Ihr mir gleich ein altes Memory aufbacken können!”


Bildquelle: (c) DA

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