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Bedingungsloses Grundinterview mit Anselm Neft (Autor)

Anselm Neft, geboren 1973 in Bad Godesberg, studierte Vergleichende Religionswissenschaften, Volkskunde, Vor- und Frühgeschichte und ein paar Semester Philosophie. Anschließend zog er zwei Jahre mit der Mittelalterband „Schelmish“ durch Deutschland. Danach verschliss er noch andere lustige Jobs (z. B. Deutschlehrer und Unternehmensberater). Nach über zehn Jahren als Autor und Tagelöhner in Berlin und Bonn lebt er nun in gleicher Funktion in Hamburg. Dort hat er die Lesebühne „Liebe für alle“ mitgegründet und gleichzeitig nach elf Jahren die Herausgeberschaft von „EXOT – Zeitschrift für komische Literatur“ eingestellt. Bisher erschienen: „Die Lebern der Anderen“ (Ullstein, 2010), „Hell“ (Satyr, 2013), „Helden in Schnabelschuhen“ (Knaus. 2014) und jetzt ganz frisch „Vom Licht“ (Satyr), 2016.


DA
Wie würden Sie einem Regenbogen, der bekanntermaßen nicht zu den schlausten Zeitgenossen zählt, erklären, was Bedingungsloses Grundeinkommen (im Folgenden „Bemm“) ist und wie es funktioniert?

AN
Eine arcuspluviuzentrische Weltsicht kann man Ihnen nicht gerade unterstellen. Mir auch nicht, aber ich würde mich eher in der Nähe eines goldenen Topfes schweigend unterstellen, als mich zu unterstehen, einem in allen Farben des Regenbogens schillernden meteoro(un)logischen Phänomen etwas zu erklären. Vielmehr würde ich dem bunten Bogen zuhören, etwaige Veränderungen ertasten, riechen, mit der Zirbeldrüse wahrnehmen, mein Ich ins Bogenhafte erweitern, um ihn besser zu verstehen, um nach und nach zu begreifen, auf welche Weise ich mit ihm kommunizieren könnte. Vermutlich bräuchte ich dafür viel Zeit. Da ich aber Tag und Nacht von der Sorge um den Broterwerb durchdrungen bin und selbst meine Freizeit einem strengen Kosten-Nutzen-Gerechne unterwerfe (Stichworte: Work-Life-Balance, Quality-Time, Er-hol-ung!), hätte ich bei Einfühlungsversuchen in einen Regenbogen keine Muße, wäre vielmehr ständig besorgt, hier nur meine Zeit zu verschwenden. Denn Zeit ist Geld, und wer glaubt, nicht genug Geld zu haben, hat nie genug Zeit. Schade eigentlich.

DA
Das Bemm ist ja angesichts der heutigen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen reichlich experimentell. Anders gefragt: Warum gilt es eigentlich als so normal, etwas tun zu sollen, um zu überleben?

AN
Ein Regenbogen hat mir einmal in einer Winternacht erzählt, die Menschen hätten früher getan, was getan werden musste, damit sie was zu essen, einen warmen Winkel und was zu lachen hatten. Dann seien sie sesshaft geworden und hätten Vorräte angelegt, Städte gebaut und Kriege geführt, um die Vorräte anderer Städte zu erbeuten. Nach und nach habe sich dabei eine Gruppe herausgebildet, die gesagt habe: Hei, passt auf, wir sind die Krieger und beschützen euch, und ihr gebt uns im Gegenzug etwas von euren Feldern und aus euren Ställen ab. Und macht Kleidung für uns. Und schmiedet uns Waffen. Und baut uns Häuser, nein, besser Burgen. Und betet uns an. Wisst ihr was? Uns gehört eigentlich alles Land und ihr dürft es für uns bestellen und euch selbst was abzweigen? Warum? 1. Gott hat es so gewollt. 2. Sonst schlagen wir euch tot. Wobei sich 1. und 2. ja nicht ausschließen müssen. Für das Zusammenfabulieren toller Ritter- und Königsgeschichten war das super, für die intrinsische Motivation vermutlich nicht. Dann setzte man die Könige von Gottes Gnaden ab und die Kapitalisten von Naturs Gnaden ein. Erst zahlte man den Leuten viel, damit sie in den Fabriken Kram herstellten, da die Leute aber lieber Freizeit als viel Geld haben wollten, mit dem sie sich dann den Kram hätten kaufen sollen, minimierte man den Lohn. Wer’s nicht glaubt, soll einen Regenbogen fragen.

DA
Sollte man versuchen, zum Bemm über kleine Zwischenschritte wie die gesetzlich geregelte 4/3/2-Tage-Woche zu gelangen?

AN
Eine Vier-Tage- oder 35-Stunden-Woche wäre in manchen Berufen sicherlich nicht nur ersprießlich, sondern erstrebenswert. Warum müssen Ärzte so viel arbeiten? Das macht mir Angst, wenn die da unter Drogen nach drei Nachtschichten an mir rumschneiden sollen. Oder diese Mittler zwischen Kapitalisten und Arbeitsbienen, Manager genannt: Bei gleicher Eignung werden soziopathische Workaholics bevorzugt eingestellt. Ich finde, deren Tätigkeit sollte man zuerst auf 30 Stunden in der Woche reduzieren. Bei Unternehmensberatern könnte man sicher auf 20 Stunden in der Woche runtergehen. Werbung würde ich ganz abschaffen, aber das ist noch einmal ein anderes Thema.
Hier wollte ich jetzt etwas über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Veränderungen in den Geschlechterrollen und den Optimierungsdruck („Bist du glücklich?“) schreiben, der einen davon abhalten kann, sich der Quatschmaschine aus Selbst- und Fremdausbeutung zu widersetzen, aber ich habe keinen Bock, da jetzt was Geistvolles zu formulieren. Was wollen Sie überhaupt von mir, Sie Nasenmann?
Zurück zum Bemm: Es bedarf vermutlich einiger kleiner Reformen, die einen größeren Bewusstseinswandel häppchenweise nachvollziehen. Ich würde allerdings woanders ansetzen, bei einem Thema, dass ich für zentraler halte als die Einführung eines Bemms. Dazu später mehr. Cliffhanger. Werbung: Anselm Neft: „Hell“, Roman, Satyr-Verlag 2013.

DA
Was ist mit Primaten, Delfinen und Rabenvögeln?

AN
Diese Tiere haben weder mit intrinsischer Motivation noch mit am Geldwert festgemachten Status- und Wertunterschieden zu kämpfen. Solange man sie nicht einsperrt, neigen sie noch nicht einmal zu für Wesen dieser Hirnkomplexität typischen Neurose. Lassen wir sie also da raus. Und da. Und da. Was anderes: Wie schmeckt eigentlich Delfin? Wieso wurde mir noch nie eine Delfinpizza angeboten? Affenhirn auf Eis gibt es ja mittlerweile an jeder Straßenecke, wenn auch als Bruzzler, Knacker, Wiener, Krakauer, Pommersche, Brühpolnische, tote Oma, Grützwurst oder Fotze getarnt.

DA
Geldverdienen und Königshäuser – was sind Ihre Assoziationen zu diesem Diptychon?

AN
Ich finde, jedes europäische Land sollte sich eine Königsfamilie leisten, die bei guter Performance – das können z. B. unterhaltsame Skandale sein, motivierende Reden oder erhebende Fotostrecken von ihrem Adelssitz und ihrem Zwirn in Zeitschriften wie „Die Krone und das Zepter“ – auch ein bedingungsloses Grundeinkommen plus Spesen für royale Mätzchen erhält. Nach sieben Jahren zerstückeln sich König und Königin rituell selbst, um mit ihrem Blut das Land zu erneuern. Vorher bestimmen sie ihre Nachfolger anhand schaukelnder Affen in einem erloschenen Riesenbackofen im Kyffhäuser, was jetzt vielleicht nicht jedem und jeder gleich plausibel erscheint. Muss es aber auch nicht. An dieser Stelle empfehle ich immer gerne den Film „The Black Cat“ (mit Boris Karloff und Bela Lugosi). Zusammenhang: Auch dieser Film wurde stark zerstückelt.

DA
Was ist mit den ganzen Scheißjobs da draußen, die nicht nur langweilig und menschenwidrig, sondern auch schlecht entlohnt sind? Sollten sie nicht viel besser bezahlt sein? Wer wird die noch machen in der Bemm-Ära?

AN
Vieles könnten Roboter übernehmen. Wobei ein Scheißjob unter bestimmten Bedingungen besser sein kann als komplette Tagesfreizeit. Bei kompletter Freizeit finden sich viele in folgender Falle: Erst wird ihnen in der Schule fast alle Eigenmotivation ausgetrieben, dann sollen sie plötzlich von innen heraus für eine Sache brennen. Und das in einer Umwelt, in der Dringlichkeit oft nur behauptet und nachgespielt wird. Habe jetzt keine Lust, das näher auszuführen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.
Ein Scheißjob erscheint mir erträglich, wenn er nur eine Phase und nicht die einzige Perspektive darstellt, und wenn er nur 15 bis 20 Stunden in der Woche ausgeübt und gut entlohnt wird, und dem Arbeitenden noch ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmtheit gibt. Bisher geht es bei Scheißjobs aber um strukturelle Gewalt: Menschen, die von der Natur oder den Menschen so gemacht sind, dass sie nur diese Scheißjobs verrichten können, werden schlecht bezahlt, schikaniert, gedemütigt und dafür bestraft, dass sie bereits bestraft sind. Das meint Gauck wahrscheinlich, wenn er „Freiheit“ und Vera Lengsfeld, wenn sie „Gerechtigkeit statt Gleichheit“ sagt. Es muss immer jemanden geben, auf den man spucken kann. Opfer sind nicht nur Menschen zum Draufhauen, sondern auch heilige Gaben, mit denen wir die Götter der gesamtgesellschaftlichen Gewalt milde stimmen wollen. Und uns selbst sagen wir: Die sind es ja selbst schuld. Mir kann das nicht passieren, ich bin ja fleißig, ehrgeizig, diszipliniert, vernünftig usw. In dieser Hinsicht erfüllt auch (sexuelle) Gewalt gegen Kinder und Heranwachsende ordnungspolitisch eine wichtige Funktion. Es handelt sich nicht nur um einen in der Regel (trotz aller heuchlerischen Hysterie) nicht sanktionierten Kanal für Gewalttätigkeit, es werden so auch immer wieder Menschen geprägt, die sich später als Beispiele für irgendeine Fehlanpassung heranziehen lassen, auf die man mit dem Finger zeigen und weiter „opfern“ kann. Ohne Gewalt würden Menschen weder Scheißjobs machen noch andere in Scheißjobs ausbeuten. Und natürlich entsteht aus den Scheißjobs neue Gewalt. Wer ganz unten in dieser Prügelkette ist, kann immer noch Tiere quälen und essen. Oder sich und andere in die Luft jagen.
Ein Bemm dieser oder jener Couleur würde diese Gewaltspirale nicht durchbrechen, und es würde weiterhin Ausgrenzungen und Abwertungen geben. Aber: Vielleicht darf man hoffen, dass Menschen durch ein Grundeinkommen weniger erpressbar und ausbeutbar werden, sich weniger schikanieren lassen müssen, die Arbeitgeber ein wenig umdenken und Krankheiten an Körper und Geist zurückgehen. Vielleicht würde ein Bemm tatsächlich nicht nur einen Mentalitätswandel voraussetzen, sondern auch einen weiteren begünstigen. Es wäre sehr schön.

DA
Wie realistisch ist die Implementierung des Bemms in den nächsten 10(0000) Jahren?

AN
Zurzeit läuft ja ein Crowdfunding-Projekt namens „Mein Grundeinkommen“, bei dem bisher (23.12.2015) über etwa 31.500 Menschen für 26 Grundeinkommen gespendet haben, die, wenn ich es richtig sehe, als monatlich 1000 Euro ein Jahr lang an eine zufällig bestimmte Person ausgezahlt werden. Der Unterschied zum guten alten Schneeballsystem ist, dass man ausgelost werden kann, ohne etwas eingezahlt zu haben. Ich kann mir schon vorstellen, dass in Deutschland noch deutlich größere Projekte, Versuche, Testballons gestartet werden und wir vielleicht sogar die Einführung eines flächendeckenden Bemms noch erleben werden. Die Frage ist, in welcher Form. Wird die Summe zum Leben reichen oder ein Zubrot wie beim „solidarischen Bürgergeld“ (Althaus-Straubhaar-Modell) sein? Werden alle Sozialleistungen rigoros gestrichen, so dass man dumm dasteht, wenn man einen speziellen Bedarf hat? Werden sich die Steuergesetze ändern, wie es zum Beispiel Götz Werner mit seiner Streichung der Einkommens- und Einführung der Konsumsteuer vorschlägt? Werden unsere Grenzen dann richtig dicht gemacht, weil Menschen aus anderen Ländern erst recht nach Deutschland wollen, aber hier der – vielleicht begründete – Eindruck entsteht, es sei nicht genug da? Oder muss man in Deutschland geboren sein oder zumindest (wie in Brasilien beim „Bolsa Familia“) seit fünf Jahren im Land leben, um Bemm zu bekommen? Würden dann Zugezogene wie Metöken behandelt, als Beisassen, die die unattraktiven Arbeiten verrichten? Und ist es nicht Verschwendung und ungerechte Umverteilung, wenn auch die ganzen reichen Schnupsis und Nazi-Erben-Kinder 1000 Euro im Monat erhalten, die sie ganz und gar nicht brauchen? Könnten Arbeitgeber die Löhne senken, weil die Arbeitnehmer ja schon grundversorgt sind? Inwieweit würde der Preis von Produkten steigen, wenn Werner seine Konsumsteuer durchbekommt?

DA
Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis des menschlichen Bewusstseins? Oder besteht es lediglich darin, dass es gar keins ist?

AN
Es ist vom objektiven Universum getrennt, wir Linkshänder sagen auch „akosmisch“. Dabei aber keineswegs unkomisch. Jedes subjektive Bewusstsein ist einzigartig und doch mit allen anderen identisch in seiner Separation und Sterblichkeit – ein kurzes Aufflackern von Licht in der Dunkelheit, immer wieder anders, immer wieder gleich. Übrigens geht mir diese Delfinpizza nicht mehr aus dem Kopf. Mit Ananas und Feigen.

DA
Bei der Vorstellung, über Freiheit und Freizeit zu verfügen, dürften so mancher geplagten Seele die Glückstränen kommen – ist denn für entsprechende Salzwasserauffang- und Aufbereitungsanlagen gesorgt?

AN
Ja, zum Beispiel die Meerwasserentsalzungsanlagen von Dr. Ulrich Plantikow in Starrvitz auf Rügen (siehe Netz). Aber schnell nagt die Frage: Frei wozu?

DA
Es gibt mehrere hundert Menschen auf der Welt, die es sich nicht leisten können, ihre Zeit mit Stumpfsinn zu verbringen, nur um nicht zu verhungern und nackt in der Müllpresse zu landen. Der durch das Bemm ausgelöste kulturelle und gesellschaftliche Paradigmenwechsel wäre ohnegleichen. Die Weltdepressivität würde massiv absinken, denn Geld ist einer der Hauptmotoren für mentale und emotionale Blockaden sowie Auslöschungen. Wir müssen uns irgendwie vom Geldgestus dekontaminieren lassen … Welche anderen monumentalen gesellschaftlichen Experimente sind denkbar?

AN
Ich finde es gut, wenn einmal Sie die Antworten geben, das wirkt dialogischer. Und ich habe Gelegenheit, Ihnen einmal in allen Punkten zu widersprechen: Ich glaube, es sind viel mehr als ein paar hundert Menschen, die einen Hunger nach Sinn jenseits des Überlebens haben, und der wird mit soliden wirtschaftlichen Verhältnissen vermutlich stärker. Ich bin mir aber nicht sicher, ob durch ein Bemm die Weltdepressivität absinken würde. Mag Geld auch blockierend wirken, es ist sicher auch ein Motor (nicht nur für Blockaden, Sie Metaphern-Hasardeur!). Depressiv wird man, folgt man Freud in „Das Unbehagen an der Kultur“, ja auch durch ein massiv reinredendes Überich, das umso lauter wird, je mehr sich die Akteure einer Gesellschaft zivilisieren. Da ein Grundeinkommen durchaus zivilisierend wirken dürfte und jede und jeden mit der Frage konfrontiert: „Was will ich denn nun wirklich mit meiner Lebenszeit anfangen“, prognostizierte ich eine massive Zunahme der Depressivität.
Zu den anderen Gesellschaftsmonumenten: Ein Bemm setzt ja bei der Verteilung an, nicht bei der Produktion. Ich hau jetzt mal was ganz Abgefahrenes und noch nie Gehörtes raus: Die Produktionsmittel könnten ja tatsächlich allen an der Produktion Beteiligten gehören und die Aktien eines Unternehmens nur denen, die in dem Unternehmen arbeiten. Keine Ahnung, wie ich immer auf so Zeug komme.
Schließlich würde ich also nicht beim Grundeinkommen ansetzen, sondern bei den Produktionsmitteln, und ansonsten bzw. nebenher und sowieso bei der Bildung: Lehrerinnen und Lehrer sollten ganz anders ausgebildet, besser bezahlt und hoch angesehen sein. Schülerinnen und Schüler sollten nicht in ein Raster gepresst werden, dem sie entweder genügen oder nicht – Schluss mit Noten, starren Lehrplänen, Sitzenbleiben und dieser perfiden Aufteilung: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Jeder Mensch soll so gesehen werden, wie er, sie, es ist, ohne dass sein Wesen als „falsch“ und „mangelhaft“ in die Mangel genommen werden soll. Genauso gut könnte man meiner Ansicht nach ein Kleinkind anschreien, es solle jetzt sofort wachsen und solange an den Ohren ziehen, bis es dir in die Eier tritt. Superplan!
Ich glaube, dass Menschen generell gerne lernen, ja, dass Lernen und Spielen (und beides hängt eng zusammen) lustvoll und zentral für Primaten, Klippdachse und Kometengeister sind. Nur muss uns das zu Erlernende sinnvoll erscheinen: Das kann das Zusammenrechnen von Kleingeld sein, weil man von den großen Geschwistern nicht mehr beschissen und ein ordentliches 9-Kugel-Eis erwerben will, oder auch das Memorieren aller „Game of Thrones“-Charaktere-Namen, wenn uns diese Rasselbande ganz und gar nicht kalt lässt und wir mit anderen darüber reden wollen. Der eine liebt den Klang von Gitarren und will ihn selbst erzeugen, die andere fragt sich, warum Autos eigentlich fahren. Klar gibt es nach einem ersten Impuls und ersten Erfolgen beim Lernen auch Durststrecken und weniger Prickelndes. Gute Lehrerinnen und Lehrer lehren, auch diese Zustände zu lieben und zu achten, weil sie dazugehören und uns dem Stoff und uns selbst näher bringen. Wenn die Lehrkörper schon nicht wissen, warum sie den Citronensäurezyklus einem musischen Mädchen ins von Dyskalkulie gezeichnete Hirn hämmern sollen, dann wird es das Mädchen vermutlich erst recht nicht wissen. Lernen verkümmert dann zur Pflicht. „Wenn du die Chemieaufgaben machst, darfst du nachher eine Stunde Playstation spielen“. So werden Menschen zu Konsumenten und Pflichterfüllern geformt, ohne dass die Pflicht oder der Lohn ihr Herz berühren. Traurig. Ein anderes Lernen ist möglich und nötig. Dann hätte auch ein Grundeinkommen bessere Karten, wenn es überhaupt noch nötig wäre.

DA
Was, glauben Sie, wären die weitreichendsten Konsequenzen einer solchen utopistischen Wandlung?

AN
Mehr Glaube, Liebe, Hoffnung, also: Schönheit.


Foto: © Satyr Verlag

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