Novelle

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Das Schwanenfußzinnoberrote Gesangbuch

Von Martin Welzel.

Erster Gesang

und sein Name lautet Verbaud
mit dem großen D
und er reitet auf seinem Freien Fall-Apfel
befeuert aus den Rohren seiner Tränenstrom-Turbinen
und Nanu die Singspinne ist mit ihm
und hier ist der Ort und jetzt ist die Zeit
um anzusingen gegen den verdorbenen Chor:
den Chor der Schergen der Dunklen Energie
und dunkel glänzen ihre Choräle mit dem kleinen e.
und Verbaud!
Verbaud ist bereit, ihre kleinlichen Krümel zu hydrieren
und hinwegzuschwemmen mit der Kraft seiner Tränenstrom-Turbinen
und dann ruft er ihnen zu: „Heult doch, wagt es nicht,
Nanu, steig auf, ich geb’ Dir Weckung!“
und dann steigen Verbaud und Nanu auf ihren Freien Fall-Apfel
und natürlich sind sie die Helden des Freien Falls
und sie winken den Schergen der Dunklen Energie ein letztes Stopft Euch zu
bevor sie zünden
und Alles beginnt.

Zweiter Gesang

und allein steigt Verbaud hinab
in die Unterwelt des DieDaOben
wo die Arschlochgötter in ihren unheiligen Hallen
sich ihren kranken Vergnügungen hingeben
und mutig tritt er vor sie hin
und die Götter strecken die Arme aus, um ihn zu segnen
doch er! er trägt die Kaputze des Chaos
und dann murmelt er sein gefürchtetes „Leck mich“
und die Arschlochgötter erzittern
und raunen „Sakrileck“
aber er entreißt ihnen den Ring der Dunklen Energie
und findet Nanu, die Singspinne
gefangen im Abgefuckten Schreibtisch des Erbsenzählers
und er versteckt Nanu in seinem Rucksack der Ruhe
„Sing eine Tonleiter für uns“, flüstert Verbaud
und gemeinsam steigen sie auf der Leiter empor
und fliehen aus den Katakomben der Ewigen Ordnung.


Dritter Gesang

und wieder steigt Verbaud auf sein Bike der verdrehten Wünsche
und murmelt sein ewiges Fuck off
und er tritt in die Pedale
und gerade dann, mitten auf der Brücke,
nimmt er die Hände vom Lenker und breitet die Arme aus
und dann, dann hebt er ab
und Verbaud fragt sich: „Träume ich oder bin ich wach?“
Doch was ist dies?
Nanu die Singspinne hat ihn verraten und verflucht mit einem Strange Days
und jetzt weiß er:
Dieses Abenteuer muss er alleine durchstehen
und durch die Wellen schmutziger Geheimnisse
und die Nebel ungewollter Leidenschaften
steigt er empor und breitet seine Schwingen aus.
Er ist der Ritter des weißen Schwans
und Ihr könnt ihn alle mal
und das geht auf jeden Freien Fall
doch dann, dann sieht er die flügellose Vogelspinne.
Ist das Nanu?
und ist dies der Fluch der lebenslänglichen Suche?
wenn nichts mehr ist wie es war
und Verbaud stürzt ab
träumt er oder ist er wach?
und nichts ist so wie es sein sollte.

Vierter Gesang

und Verbaud liegt in den Wogen des Wahnsinns
und nichts ist wie es sein sollte
und sein Bike ist dahin
und Nanu ist verloren
und alles ist grau und leer in ihm
und dann sieht er den Triumphzug der Arschlochgötter
und die Schergen der Dunklen Energie reiten auf ihren degenerierten
Wahnsinnspferden
und singen ihre schaurigen, schmutzigen Hymnen
und tragen die Standarten der Schauderhaften Möglichkeiten
und Verbaud rappelt sich auf
und stimmt ein letztes Mal seinen Gesang der Schwäne an:
„Die Tränen des letzten Tages tragen die Farben der Nacht
nun bin ich hier und komme zurück
in das Land der Großen und des Allerkleinsten
liebe die echte Liebe
und atme ihre dunkel Ahnung der Vergeblichkeit
denn dies ist die Ewigkeit des Schrecklichen Hungers“
und dann wacht er auf
und nichts ist wie es sein sollte
und Verbaud sieht:
Nanu tanzt mit den Arschlochgöttern
und singt die Lieder der Schergen der Dunklen Energie
und wieder und wieder
und alles passiert noch einmal und zweimal
und alles ist dahin.

Fünfter Gesang

und Verbaud ist am Ende
und nichts ist wie es sein sollte
Nanu die Singspinne ist nun einer der Schergen der Dunklen Energie
und trinkt aus dem Becher der Lüge
und hustet den Staub der ewigen Wiederholung
„und es ist anders als Du denkst“, ruft Verbaud
„siehst Du nicht was Du tust, Du mit dem großen D?
Ist alles nur Unglück und wir nur kleine Scheißer?“
Und Nanu lacht
und Verbaud murmelt sein berüchtigtes „Fuck you“
und steht auf
und die Schergen erzittern
die Arschlochgötter lassen ihre Becher fallen
und dann, dann zieht Verbaud seine stärkste Waffe:
Schwanenfußzinnoberrot
und das, das gibt ihnen den Rest
und nun ist er es, der den Becher hält
und er trinkt ihn
und als er leer ist wirft er ihn hinter sich
und er ist frei
das war’s, Scheißegal.

Sechster Gesang

und nun sind Verbauds Waffen schartig
das große Scheißegal und sein ewiges Fuck you
und sein Bike ist dahin
und die Schergen der Dunklen Energie streifen umher
herrenlos, aber gefährlich
und Verbaud erinnert sich an den Waffenmeister, der diese Waffen schuf
den Meister des Fuck off
und er unternimmt eine große Fahrt
doch das Haus des Meisters ist dunkel
und er findet ihn, ermordet von den Händen der Schergen
und Verbaud runzelt die Stirn
und er tut einen schrecklichen Schwur
und er schwört, nicht eher zu ruhen,
bis die Schergen ihre Macht verloren haben,
so etwas zu tun
und er nimmt das Bike des Meisters
und schwingt sich hinauf in die Himmel
um neue Waffen zu finden in den Bergen des Wahnsinns
doch bald schon, sehr bald, merkt er,
dass da etwas nicht so ist, wie es sein sollte:
das Bike erkennt ihn nicht
er ist nicht sein Meister
und das Bike wirft ihn ab
und er fällt
und dann will er fallen
und dann wird er der Fall
und dann hört er die Stimme
leise und freundlich:
„Verbaud, Du hast das große D
Du bist der Fall der Fälle
der Ritter des weißen Schwans“
und Verbaud breitet die Schwingen aus und fliegt.

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