Novelle

Headquarters for Experimentalism

Ein Arbeitstag im Leben von Tristan E.

Von Nina Fuhrmann.

Genervt parkte Tristan E. seinen BMW auf dem Parkplatz vor dem Verwaltungsgebäude, in dem auch sein Büro war. Das schwarze Schmuckstück auf vier Rädern war ein Dienstwagen, den er bei der Beförderung zum Abteilungsleiter herausgehandelt hatte, und auf den er sehr stolz war. Mit 34 Jahren hatte er bereits fünf Mitarbeiter unter sich – und der BMW war Ausdruck seines Status. Dennoch hatte der Pförtner ihn schon wieder ganze zwei Minuten an der Eingangsschranke warten lassen. Aus irgendeinem Grund mochte dieser Kerl ihn anscheinend nicht. Seine Mitarbeiterinnen hingegen mussten nicht einmal ein Wort sagen, da stand der Pförtner schon zum Helfen bereit. Überhaupt: Auch seinen Mitarbeiterinnen musste er immer alles mehrfach sagen und dann konnte er trotzdem nicht sicher sein, dass die Arbeit so ausgeführt wurde, wie er sich das vorstellte.
Seine Laune wurde noch schlechter, während er die Treppen in Richtung seines Büros hochstieg. Schon jetzt sehnte er den Feierabend herbei, aber er wusste, dass heute wieder jede Menge Überstunden auf ihn warteten.

Aus dem Duden:
Revolver, der
Wortart: Substantiv, maskulin
Bedeutungsübersicht

  1. Faustfeuerwaffe, bei der sich die Patronen in einer drehbar hinter dem Lauf angeordneten Trommel befinden
  2. Kurzform für: Revolverkopf
    Herkunft
    englisch revolver, zu: to revolve = drehen < lateinisch revolvere, revoltieren; nach der sich drehenden Trommel
    Synonyme zu Revolver
    Colt®, Faust[feuer]waffe, Pistole, Schusswaffe; (umgangssprachlich) Ballermann, Schießeisen

Aus Wikipedia:
Der Revolver gehört zur Kategorie der Handfeuerwaffen und wird durch das deutsche Waffenrecht (WaffG) als Kurzwaffe definiert. Revolver sind eine Unterkategorie von Pistolen und sind mehrschüssige Faustfeuerwaffen, bei der die Munition in einzelnen Kammern in einem als drehbare Trommel ausgelegten Patronenlager kreisförmig angeordnet ist. Die Trommel dient dabei nicht nur als Patronenlager, sondern auch als Magazin.

Tristan knallte den Hörer auf die Telefonstation. Das Telefonat mit dem Vertriebschef hatte ihn seine restlichen Nerven gekostet. Dieser Wichtigtuer hatte mal wieder gemeint, ihm vorschreiben zu können, wie er seine Abteilung zu führen habe. Ignorant und selbstherrlich war der Kerl. Besser sollte er mal unter seinen eigenen Leuten für Ordnung sorgen, dachte Tristan. Womöglich mischte der sich immer in Tristans Angelegenheiten ein, um von seinen eigenen Fehlern abzulenken. „Scheiß Tag“, fluchte Tristan. Wenn er es recht bedachte, waren auch die letzten Tage scheiß Tage gewesen. Eigentlich konnte er sich gar nicht mehr an einen guten Tag auf der Arbeit erinnern. Aber es half alles nichts, einfach hinschmeißen konnte er ja auch nicht.

Aus Wikipedia:
Darknet (englisch für „Dunkles Netz“) beschreibt in der Informatik ein Peer-to-Peer-Overlay-Netzwerk, dessen Teilnehmer ihre Verbindungen untereinander manuell herstellen. Im Ergebnis bietet ein Darknet ein höheres Maß an Sicherheit, da einem Angreifer der Zugriff auf das Netzwerk nicht ohne Weiteres möglich ist – oder er im Idealfall gar nichts von der Existenz des Netzwerks weiß.

Mit einem Ping erinnerte ihn sein Computer an das bevorstehende Team-Meeting. Die wöchentlichen Status-Berichte waren wichtig, damit er nicht die Kontrolle verlor. Seine Mitarbeiterinnen meinten sonst, sie könnten alles selbst entscheiden. Aber die Wahrheit war, dass sie dann eine Fehlentscheidung nach der anderen treffen würden – und er das anschließend ausbaden müsste. Daher war es wichtig, dass er immer alles kontrollierte und prüfte. Wichtige Entscheidungen traf er grundsätzlich selbst und im Zweifel war jede Entscheidung wichtig. Wenigstens konnten sie ihm viele der unliebsamen Aufgaben abnehmen. Aber ihm grauste schon jetzt davor, was er sich gleich würde anhören müssen: mit Sicherheit wieder Ausreden und Ausflüchte, unehrliche Entschuldigungen und jede Menge Gemecker. Sein Team machte es ihm wirklich nicht leicht.
Es klopfte an seiner Büro-Tür. Tristan seufzte, aber rief dann ein „Kommt rein!“ nach draußen. Er atmete tief durch und machte sich bereit, ordentlich auf den Tisch zu hauen.

Aus dem Gabler Wirtschaftslexikon:
Mobbing = Phänomen in der Arbeitswelt, wobei ein Mitarbeiter durch Kollegen oder Vorgesetzte gezielt und dauerhaft angegriffen und ausgegrenzt wird.
Mobbing kann sich z.B. äußern durch Verbreitung falscher Tatsachen, Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, soziale Isolation, ständige Kritik an der Arbeit und Gewaltandrohung.
Plötzlich war er da: der Revolver in ihrer Hand. Sie hatte wieder einen ihrer Vorschläge gemacht und Tristan hatte sie wissen lassen, wie lächerlich der war. Und dann, ohne Vorwarnung, hatte sie die Waffe aus ihrer Aktentasche gezogen und auf ihn gerichtet. „Weißt du, was lächerlich ist?“, hatte sie gefragt und ihn dabei eiskalt angesehen. Der Rest des Teams saß ruhig neben ihr und verfolgte das Geschehen beinahe teilnahmslos. „Lächerlich ist, dass sie dich zum Chef gemacht haben“, beantwortete sie ihre eigene Frage. Dann drückte sie ab.


Aus dem Thesaurus:
Tod
Abberufung (fig., verhüllend) · Ableben · Abschied · Exitus · Hinscheiden · Lebensende · Sterben · Versterben
Tristans letzte Gedanken waren erfüllt von Hass. Sie hatte alles verdient: die Kontrolle, die viele Kritik an ihrer Arbeit, die miesen Aufgaben, die er ihr zugeteilt hatte, die Zurechtweisungen, einfach alles. Er hatte sie loswerden wollen. Jetzt war sie ihn los.

Bildquelle: (c) DA

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