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Job-Interview mit Hartmut Abendschein

Hartmut Abendschein (*1969): Aufgewachsen in Schwäbisch Hall, Buchhändler in Stuttgart, Studium der Germanistik und Anglistik in Konstanz und Glasgow, wiss. Dokumentar in Köln, lebt und arbeitet in Bern. Betreiber eines literarischen Weblogs („taberna kritika – kleine formen“) und Mitbegründer von „litblogs.net – literarische weblogs in deutscher sprache“. Zuletzt erschienen: „Die Träume meiner Frau. Hybride Stoffe“ (2007); „Bibliotheca Caelestis. Tiddlywikiroman” (2008); „The Chomskytree-Haiku (Rhizome (Rhizome))“ (2011); „Dranmor” (2012); „Schellendiskursli / Schellenexkursli“ (2013); „Recycling Le Tour de France“ (2014); „Flarf Disco. Popgedichte.“ (2015). Mehr unter www.abendschein.ch.

 

DANIEL ABLEEV
Inzwischen habe ich fast vier Jahre Lektoratserfahrung auf dem entsprechenden Buckel akkumuliert – falls Sie also einen Lektor/Kokrretor benötigen, der unbändige Lust an Kreativität, Sprache und Rechtschreibung, von der Kommasetzung gar nicht zu schweigen, hat …

HARTMUT ABENDSCHEIN
Hallo, Herr Ableev. Das ist jetzt gerade ganz schlecht. Ich …

DA
Auf jeden Fall. Meine Sorgfalt und Zuverlässigkeit im Umgang mit Texten habe ich in den letzten Jahren vielfach unter Beweis gestellt, nicht zuletzt bei der Herstellungsleitung (Lektorat, Kokrretorat, Satz etc.) von Tom Stoppards Die Küste Utopias in der „Jussenhoven & Fischer Theaterreihe“. Darüber hinaus habe ich beispielsweise an einer Ausgabe von EPD Film mitgearbeitet, Pressemitteilungen und Artikel aus dem Bereich Gesundheitswesen und Technologie bei Steinhauer Kommunikation verfasst oder Online-Inhalte für den Bonner General-Anzeiger aufbereitet. Gute Englisch- und Russischkenntnisse anbei.

HA
Moment, ich hab in der anderen Leitung gerade den …

DA
In fünf Jahren? Gerne im Lektorat/Kokrretorat Ihres Verlages, wo ich mit unbändiger Lust an Kreativität, Sprache und Rechtschreibung, von der Kommasetzung gar nicht zu schweigen, beim Herauskitzeln von Potentialmaxima aus den Veröffentlichungen assistiere (sehr gerne in Teilzeit, da Familie).

HA
Sind Sie noch dran?

DA
Meine Schwächen? Persönliche, typischerweise mündlich geführte Bewerbungsgespräche. Technischer Prog. Surrealismus. Tibetische Momos. High-Concept-Zombiefilme.

HA
Sekunde, ich …

DA
Hiermit bestätige ich, dass sämtliche meiner (Grund-)Kenntnisse in Adobe InDesign, Photoshop, Audition sowie HTML und CMS übers ZNS angesteuert werden.

HA
Jetzt verstehe ich Sie ganz schlecht …

DA
Wo ich mich in hundert Jahren sehe? Natürlich in einem privaten Geisterzug der Luxusklasse Tesla, ausgestattet mit chinesischer Pantryküche und Plasma-Sushibar, einem Gedankenlese-/Diktiergerät sowie Unsichtbarwerdung auf Pfropfdruck – und das Ganze zum ultravernünftigen Preis von einem Kindle Fire HD 10!

HA
Hallo?

DA
Sehr wahr. Die stets liebevolle, unter Einsatz von Prostaglandinchen ausgeführte Arbeit an Texten würde ich auch bei der hoffentlich baldigen Implementierung vom Bedingungslosen Grundeinkommen (im Folgenden kurz: „Bemm“) nicht niederlegen.

HA
Haaallooo?

DA
Ich danke Ihnen kurz, aber knackig für das Gespräch!

 

Foto: © Hartmut Abendschein

 

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