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Auf der Zunge

Von Nadia Rungger.

Unzeitgemäße Gedanken wir holen das Glas
wir spucken und spucken so lange
nichts liegt mehr auf der Zunge
mein Mund wird so trocken

Wir sehen uns nicht wir nehmen uns wahr
Deine Augen verschlossene Knospen im Frühling verborgene Blüten
Dein kurzes Haar dein frisch gemähtes Gras so riecht es

Du nimmst mich wahr du nimmst mich mit du
nimmst
mich

Unregelmäßige Nacht du bist nicht ganz dunkel
du bist nicht ganz kalt du bist lauwarm

Ich knipse das Licht an die Knospen sie bleiben verschlossen
An aus An aus An aus An aus AN AUS
An außergewöhnlichen Tagen scheint die Sonne
da zu sein
Ich sehe den Morgen ich stehe auf der anderen Seite
An mir An dir An uns
An euch vorbei
Ich spucke unzeitgemäße Gedanken beiseite ich spucke ich schlucke du
taumelst denn unter den Schritten zerbröselt der Boden
immer mehr
sobald der Spalt groß genug ist
werfen wir uns hinein

Wir springen auf drei zerspringen zusammen wir zerfließen wir wachen auf
Mein kleiner Zeh juckt so

Wir liegen und blinzeln den Ameisen zu da denkt man nicht lange
ich hole sie ein ich streichle die nackten Rücken mit Stacheln das tut gar nicht weh
Wir liegen und blinzeln den Ameisen zu die blinzeln zurück
die hören mir zu ich wollte was sagen
ich liege und blinzle es lag mir doch auf der Zunge
und während ich spucke trinken und trinken ertrinken
Ameisen in unzeitgemäßen Gedanken

Bildquelle: (c) DA

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