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Kräftige Mathekenntnisse

Rezension von F. K. Waechters Der Höllenhund (72 Seiten, Diogenes 2018).


In seinem jüngsten, mit monumentalen Zeichnungen aus dem Nachlass illustrierten Bildband erzählt der 2005 verstorbene F. K. Waechter von einem seltsamen Deal zwischen einem Soldaten und dem Teufel: Wenn ersterer es schafft, sieben Jahre lang als Bob Geldof umherzuziehen, ohne sich je zu waschen, weder Träne noch Schweiß abzuwischen (von Nase/Arsch ganz zu schweigen), dann wird letzterer ihn gülden machen, Badiwasser einlassen und ihm die bis dahin ins Unermessliche gewucherten Zehnägel höchstpersönlich stutzen.

Da das Buch auf Grimms „Der Bärenhäuter“ basiert, lässt sich der Soldat sieben Jahre lang weder von der entfesselten Klabusterbärenbande noch der mobbigen Landbevölkerung einschüchtern und wird von Mephisto anschließend, wie besprochen, entflucht und grundgereinigt. Und weil der Höllenbruder es während seiner Tier- und Wanderjahre trotz Kruste nicht geschafft hat, einer jungen Frau seine sympathische Persönlichkeit zu verheimlichen, darf er nun, inzwischen wieder hübsch und gut betucht, mit seiner Verlobten glücklich werden. Ihre beiden Neidschwestern hingegen zeigen sich von ihrer assigen Seite und fahren – Hurmalia-Sukerazz! – prompt zur Hölle.

Das wirklich Besondere an dieser Edition ist, dass hier zum ersten Mal die Tagebuchnotizen des Ex-Soldaten aus seinem siebenten Hundejahr publik gemacht werden. Was nun folgt, ist eine unkommentierte, da für sich selbst sprechende Kotprobe:

[…] an den Leichen kommend, begreift das Dunkle im alten Cardioraum kausal auf den breiten Brühlsch. Calibans Gaußleid am Konturen […] Lange Zeit galt Lesen als fabelhaftes Laub der Lichtschalter der Brüche […] Tunika kontaminiert. Selbst zum Gesuchten kam die Augenroute, du Drogen der Leichen. Logos-Hure ex Hauptschneider auslaugen […] rekombinieren das Nanogramm der U-Bahn. Lauter Kanzler […] meine Schultern in Mannheim, ganz down meine Jugend […] Einen Nachtschläger ins Chaos der Labertrauben, hoben Schrauben, das Loch zerstört […] wo der Schimmel den Katastrophenalarm aus dem Moment heraus […] Kein Stecker am Gaumen, tyrannisch der Tunnel Dominos als Heimat [der] Betrachtung. Ich kann nicht solch kräftige Mathekenntnisse aus dem Schubkarren relaxen, nicht aufhören mit dem ständigen Podolog. Könige, die Spritzen ziehen aus Überforderung. Minuten schnallen vier Arten von gewaltigem Sprung mit je 22 € im Tank. Autobiografie der Sprache, Gravuren, Crime. Untersuchungen malträtieren das Kamel […]


Bildquelle: www.diogenes.ch

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