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InterFritz

Eine zeitgenössische Teichoskopie mit Martin Fritz.

Wenn die Ansage lautet, einen Behälter beliebiger Funktionalität, Größe und Beschaffenheit mit etwas vollzumachen – was empfiehlt sich da am ehesten?

Ein zeitgenössischer Teich ist für den Anfang sicher keine schlechte Idee.

Gibt es für den Zwischenraum zwischen den Bänden einer Trilogie eine bestimmte Bezeichnung, oder kann ich einfach irgendwas sagen?

Bestimmte Bezeichnung gibt es keine und Sie können, soweit es mich betrifft, naturgemäß immer zu allem einfach irgendwas sagen.

Am Definitionsknopf von Ästhetik so lange zu drehen, bis das meiste, was wir tagtäglich wahrnehmen (Gummibärchen, Regenbögen, Inder, „Zehenspitzenstelle wird erkedigt“ u. v. m.), als Kunst durchgeht?

Oder aber: Am Definitionsknopf von Ästhetik genau in die andere Richtung drehen, haben Sie darüber schon mal nachgedacht?

Und wenn man Bier mit Biber verwechselt?

In den zeitgenössischen Teichen klären das die Biber schon rechtzeitig auf, keine Sorge.

Wie viele ungelesene Bücher sollten sich im Wandschrank einfinden, um Nagetiermentalität nahezulegen?

Oder aber: Am Definitionsknopf von Ästhetik so lange drehen, bis die ungelesenen Bücher, die jetzt schon drin sind, als dafür ausreichend wahrgenommen werden?

Wie könnte die nächste Evolutionsstufe des Menschen aussehen, der mit BRENNHAAR kreativ, konstruktiv und ausreichend häufig in Berührung gekommen ist?

Es wären ganz sicher Menschen, die hervorragend zu zeitgenössischen Teichen passen.

Welchen Erwartungen sollte ein zeitgenössischer Teich gerecht werden?

Schön, dass Sie danach fragen. Also ich denke, zunächst ist es wichtig, sich selbst zu fragen: Wie werde eigentlich ich den Erwartungen eines zeitgenössischen Teichs gerecht? Oder genauer gefragt: Werde ich den Erwartungen eines zeitgenössischen Teichs gerecht? Der Rest ergibt sich dann fast von selbst: Victoria amazonica, einige Biber, Wasser, Farne, Eidechsen, eine Schilfzone … Ich denke, das ist auch gar nicht der Platz für allgemeine Vorschläge, am Ende kommt es auch sehr stark auf den individuellen Teich an. Also was ich sagen will: Niemand tut sich was Gutes damit, starre Vorerwartungen an zeitgenössische Teiche mitzubringen. Das ergibt sich schon. Also wenn es sich denn ergibt. Dann ergibt es sich schon.

Wie heißt der Lieblingskomponist von jemandem, dem Blotted Science zu muzak ist?

Es ist eine Komponistin und ihr Name lautet SOPHIE.

Sind „in Anführungszeichen“ gesetzte Anführungszeichen eher show oder tell?

Das lässt sich eigentlich auch nur im Einzelfall „entscheiden“.

Welche Rechtfertigung fürs Nichteinhalten der Frist kann man versuchsweise anbieten?

Also ich schreibe meistens so was wie: Oje, tut mir leid, das E-Mail ist bei mir wohl „irgendwie untergegangen“ bzw. „durchgerutscht“. Aber ich habe natürlich keine Erfahrungen damit, wie gut das für andere funktioniert.

Was, wenn es physikalisch unmöglich wäre, etwas, was man gemacht/getan hat (Text, Holzstuhl, Sinn etc.), zu korrigieren, editieren, redigieren, lektorieren, revidieren usw.?

Für mich persönlich wäre das eindeutig besser, weil ich dann endlich irgendwas (Teiche, Apparate, Texte) fristgerecht abliefern könnte.

Kennen Sie Menschen, die den Turing-Test nicht bestehen würden?

Da es eben Menschen waren, die Alan Turing umgebracht haben, und Alan Turing mit seiner Mitarbeit an der Entschlüsselung der Enigma vielen Menschen das Leben gerettet hat und es eigentlich nicht als sehr menschlich gilt, den eigenen Lebensretter zu ermorden, beantwortet sich diese Frage irgendwie von selbst.

Welches Potential hat die YA-Story um eine magische Polaroid-Kamera mit sechzehn geheimen Personen und Gegenständen in sich, die man beim Betätigen des Auslösers in einer Art photografischer Umkehrung in die Wirklichkeit fabriziert, wonach das entsprechende Bild von dem wie üblich instantan ausgegebenen Fotopapier verschwindet?

Ich würd’s lesen. Also vorausgesetzt, die Kamera heißt irgendwie was mit -tron am Ende. Alternativ kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass die Kamera genau umgekehrt funktioniert, also reale Personen und Gegenstände in eine fiktive Welt transportiert, wo sich die fiktiven Personen und Gegenstände dann sehr wundern über diese aus einer anderen, leicht verschobenen Welt stammenden Personen und Gegenstände. Ich stelle mir da auch schöne Treffen vor von fiktiven und realen Personen. Ein bisschen so, als würde im Film A Star Is Born die Sängerin Ally im Radio zufällig einen Song von Lady Gaga hören. Oder von Judy Garland.

Wer oder was ergibt eine ideale Abfolge von Bewegungen?

Viele Farne rollen ihre Wedelblätter beim Wachsen auf bzw. sie entrollen sich selbst; das kommt meinem persönlichen Ideal jedenfalls schon sehr, sehr, sehr nahe.

Welche Apparate sind tendenziell interessanter – die mit -tor oder -tron am Ende?

Eidechsen, die ein paar Schriftstücke angefertigt haben, sagen: die mit -tron. Teichtor z. B.: hat keinen Glam. Teichtron hingegen: klingt wie wenn eine YA-Figur einen Song einer echten Person im Radio hört.

Woran erkennt man, dass man einem Gestrüpp entwachsen ist?

Das Feel passt einfach irgendwie nicht mehr.

Unbekleidete als Datumsangabe?

Ja, aber was ist jetzt die Frage?

Ist es möglich, aus drei Objekten ein viertes Objekt herzustellen, in welchem sämtliche Eigenschaften der drei Ausgangsobjekte, darunter auch die Eigenschaft „Objekt“, unwiederbringlich verloren sind?

Nachdem nach allem, was wir „wissen“, es im Universum generell bei weitem mehr Kräfte, Beziehungen, Wechselwirkungen gibt als Substanzen, wäre das zumindest um sehr vieles wahrscheinlicher, dass es möglich ist, als nicht. Oder viel weniger verschwurbelt: Na klar.

Starke Meinung zu Kameramännern, Kameratechnik, Kameralinsen und dergleichen?

Es ist generell wichtig und ratsam, sich mit Kameraleuten gut zu stellen (Touchpoints: nach dem Namen fragen und MERKEN, später mit dem Namen ansprechen, Snacks mitbringen etc.), denn sie sitzen im Endeffekt einfach am längeren Ast. Ob uns das jetzt passt oder nicht – es ist einfach so.

Worauf muss der typische Teenager 2811 achten?

Ich denke: Wichtig ist, nicht uncool zu sein. Also eine angemessene Haltung gegenüber Teichen, Kameraleuten, Substanzen etc. zu haben. Und sie dann auch mitzuteilen. Also z. B. nicht versehentlich zu sagen: „Wie extra!“ Also wenn es nicht passt. Wenn schon, dann ist es natürlich kein Problem. Sogar gewünscht ist es dann. Oder halt angemessen. Letztlich werden sie einfach ein Gespür brauchen für so was.

Woher aber stammt der Wind, der unsere Seelen-Outtakes schmilzt?

Ich könnte jetzt antworten: Von anthropozentrischen, in generischem Maskulinum gestellten Fragen VIELLEICHT? Aber darauf könnte mit allem Fug und Recht jemand sagen: Wie extra!

Was ist der bislang menschlichste Fußabdruck auf dem Jupiter?

Ich denke, das ist die Überlegung, den Jupitermond Europa zu kolonialisieren. Wie extra!

Wie kommt man eigentlich an Nichttrivialitäten ran?

Wenn es wer wüsste oder/und weiß, dann bestimmt die Frisörin, die allen im Dorf, die sich nicht selbst die Haare schneiden, die Haare schneidet.

Gegen welche Information würden Sie den Großteil Ihres Lebens eintauschen?

Wie ein zeitgenössischer Teich auszusehen hat. Also wenn mir das wer allgemein und verbindlich sagen könnte, wie ein angemessener zeitgenössischer Teich-Geschmack ist.

Was ist das erstaunlichste Tier seit September 2001?

Das zu ranken steht mir nicht zu.

Bildquelle: (c) DaX

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